17.06.2026
07.06./ erster Sonntag nach Trinitatis Rundum satt

Sandro Vogler aus Altenburg schreibt am ersten Sonntag nach Trinitatis über die Einheit zwischen Körper und Seele und macht auf eine Veranstaltung im Lukasstift in Altenburg aufmerksam.

Rundum satt?!
„Der Mensch ist, was er isst", sagte der große Philosoph Ludwig
Feuerbach einst und deutete schon vor 175 Jahren auf das hin, was wir
heute in Studien gut belegen können: Jeder noch so kleine
Nahrungsbaustein – ob Vitamin, Antioxidans, Mineral- oder Ballaststoff –
wirkt unmittelbar auf uns. Und längst ahnen wir: Was wir uns zuführen,
wirkt nicht nur auf den Leib, sondern bis in die Stimmung unserer Seele
hinein. Apropos: Ein Stück Schokolade und ein kleiner Schluck Whisky
täten jetzt wirklich gut. Oder doch lieber nicht? Genau an dieser Stelle setzt
das Jahresfest der Evangelischen Lukas-Stiftung am Samstag an: „Psyche
und Ernährung" — Leib und Seele sitzen am selben Tisch.
Denn wer kennt das nicht: Man hat genug zu Essen und ist doch nicht satt.
Etwas in mir hungert und dürstet weiter. Erst recht, wenn ich gestresst,
sehnsüchtig oder traurig bin.
In genau diesen Hunger hinein ruft Gott beim Propheten Jesaja: „Wohlan,
alle, die ihr durstig seid [und hungrig], kommt her trinkt und esst! Warum
gebt ihr Geld aus für das, was [...] nicht satt macht?" (Jesaja 55,1–2)
Das ist kein erhobener Zeigefinger, sondern eine Einladung. Und das
Erstaunliche: Sie kostet nichts. Denn was die Seele wirklich nährt, lässt
sich nicht erarbeiten und zubereiten. Es wird geschenkt. Gott deckt einen
Tisch, an dem auch die Platz haben, die mit leeren Händen kommen — die
Erschöpften, die Suchenden, die, denen das eigene Leben gerade schwer
im Magen liegt.
Gerade für ein Haus wie die Klinik für Psychiatrie ist das eine gute
Nachricht. Hier kommen Menschen zusammen, die wissen, dass die Seele
krank werden kann wie der Körper. Dass es Tage gibt, an denen nichts
mehr schmeckt am Leben. Jesaja verlangt von solchen Menschen nicht,
sie müssten sich nur richtig anstrengen. Er sagt: Komm, wie du bist. Lass
weg, was kostet und dich sinnlos füllt. Bei Gott gibt es gute Nahrung für die
Seele. Einfach so.
Davon lebt am Ende unser Jahresfest. Wir feiern es nicht nur, weil gutes
Essen und Musik zusammengehören, sondern weil wir mittendrin die
Botschaft des Propheten aufgreifen und einander zusprechen: Gott heißt
dich an seinem Tisch willkommen. So, wie du bist. Auf dass wir alle
rundum satt werden.
Vielleicht sehen wir uns da.
Auf ein Gespräch mit Ihnen freue ich mich.

Es grüßt Sie herzlich
Ihr Pfarrer und Seelsorger Sandro Vogler aus Altenburg