19.03.2026
2.Sonntag nach Christfest: Das Konzept der Ewigkeit
Das Wort zum Wochenende von Superintendin Annette von Biela beschäftigt sich am Neujahrsanfang mit dem Konzept der Ewigkeit.
Das Konzept der Ewigkeit
„Ich bin, der ich bin.“ Ist doch klar, was für ein komischer Satz! Auf den ersten Blick – ja. Auf den zweiten Blick – steckt mehr dahinter. So stellt sich Gott vor, als Mose wissen will, wer da mit ihm spricht am brennenden Dornbusch. Spannend ist aber, dass man das Wort „bin“ in verschiedenen Zeitformen übersetzen kann: „Ich bin, der ich war.“ Oder „Ich werde sein, der ich sein werde.“ Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft – alles ist möglich. Warum? Es gibt eine grammatikalische Antwort, dazu nur so viel: im Hebräischen sind diese Übersetzungen möglich. Die inhaltliche Antwort finde ich interessanter: Gott ist da. Er war da in der Vergangenheit. Er ist da in der Gegenwart. Er wird auch in der Zukunft da sein. Das will Gott für uns – da sein. Und hier kommt das Konzept der Ewigkeit ins Spiel: Gott umschließt die Zeit und die Menschheit. Wir kennen den Begriff der Ewigkeit für eine Zeitdauer, die uns schier unendlich scheint. „Das dauert ja ewig!“, z.B. beim Warten auf einen Termin, oder die Zeit beim Zahnarzt. In der Theologie steht „Ewigkeit“ aber nicht für unendlich, sondern für die Sphäre Gottes, den Himmel. Und das Konzept der Ewigkeit, das man in der Bibel findet, umschließt unsere Welt. Vom Anfang, der Schöpfung, bis hin zu ihrem Ende. Keine unpersönliche Unendlichkeit, sondern eine persönliche Wohlfühlzone bei Gott. Diese Ewigkeit Gottes ist gesetzt, wird vorausgesetzt. Und innerhalb der Ewigkeit hat Gott die Zeit und die Welt in Gang gesetzt. Und in dieser Zeit und Welt leben wir. Versuchen wir, unser Leben zu gestalten, ihm Sinn zu geben. Manchmal denken wir über Zeit und Ewigkeit, Leben und Tod nach. Was die Zukunft bringen wird, wissen wir noch nicht. In bestimmten Grenzen können wir mitbestimmen. Und wir kommen an unsere Grenzen, wenn wir das nicht können. Der Gedanke an die Ewigkeit tröstet mich in solchen Momenten. Egal, was in dieser Zeit und Welt geschieht, ich bin geborgen in Gottes Ewigkeit. Jetzt am Schreibtisch schreibt sich das leicht. In Krisensituationen daraus und darauf hin zu leben ist schwer. Da braucht es Menschen, die mich an das Konzept Ewigkeit erinnern. Menschen, die mir sagen: „Vertrau darauf.“ Fast am Ende der Bibel, im Hebräerbrief, findet sich der Satz: „Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Auch hier: Jesus Christus ist für uns da. Er hat unsere Zeit und unser Leben erlebt. Und er ist für uns da – jederzeit.
Annette von Biela