17.06.2026
31.05. Trinitatis: Geh aus mein Herz

Der Schmöllner Pfarrer Dietmar Wiegand stimmt in seinem Text vom 31.Mai ein Loblied auf Paul Gerhardt an.

Ein Hoch auf Geflügelzüchter und Rehkitzretter!

In einem der Fenster in der Altenburger Brüderkirche ist neben Luther und Bach der Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt zu sehen. Am 27. Mai vor 350 Jahren ist er in Lübben im Spreewald verstorben, er, der 1607 in Gräfenhainichen geboren worden und dessen Leben geprägt war von Krieg und Krankheit, von schweren und frühen Verlusten. In allem Leid und aller Not zum Trotz dichtete er vielen Menschen zum Trost. Seine gereimten Glaubenszeugnisse wurden von Kantoren vertont und einst wie heute Kirchenhits.

Viele werden „Befiehl du deine Wege“ und „Nun ruhen alle Wälder“ kennen, oder die Lieder, die durch Johann Sebastian Bachs Oratorien Jahr für Jahr Menschenherzen bewegen, wie „Wie soll ich dich empfangen“, „Ich steh an deiner Krippen hier“ oder „O Haupt voll Blut und Wunden“. Es sind insgesamt noch 26 Lieder, die sich im Evangelischen Gesangbuch (EG) befinden, und 7 im Katholischen Gotteslob (GL). Hatte Paul Gerhardt zeit seines Lebens unter den konfessionellen Streitigkeiten gelitten, so vereinen seine Lieder. - „Die güldene Sonne“ der Liebe Gottes, sie leuchtet doch über allen und über allem. Daher machen die Lieder von Paul Gerhardt den Herzen immer wieder Beine.

Wer „Geh aus mein Herz“ noch nicht kennen sollte (EG 503 /GL 826), der möge sich aufmachen, mit den Augen dieses Liedes auf das Leben zu schauen, das uns im Hier und Jetzt so wunderbar und wundervoll geschenkt (Strophen 1-8) und uns in Ewigkeit verheißen (Strophen 9-11) und uns aufgegeben (Strophen 12-15) ist und bleibt. – Bei Paul Gerhardt wird aus erfahrenem persönlichen Leid und angesichts der Not in dieser Welt nicht Resignation und Weltflucht, sondern Glaube und Hoffnung öffnen ihm die Augen für das Leben in seiner Schönheit und Fülle.

Wohl dem, der so sehen und staunen kann (EG 503, 4): „Die Glucke führt ihr Völklein aus, der Storch baut und bewohnt sein Haus, das Schwälblein speist die Jungen, der schnelle Hirsch, das leichte Reh ist froh und kommt aus seiner Höh ins tiefe Gras gesprungen, ins tiefe Gras gesprungen.“

Bei der Strophe sehe ich auch die Bauernhöfe vor mir, wo Schwalben ein Zuhause finden, sehe ich die Geflügelzüchter und die Rehkitzretter in ihrer Arbeit und Freude. - Bei Paul Gerhardt wird aus Lob und Dank ein achtsames Tun, ein Helfen und Heilen!

Wohl dem, der im Blick auf sich selbst so auch singen und beten kann (Strophe 14): „Mach in mir deinem Geiste Raum, dass ich dir werd ein guter Baum, und lass mich Wurzel treiben. Verleihe, dass zu deinem Ruhm ich deines Gartens schöne Blum und Pflanze möge bleiben und Pflanze möge bleiben.“

Eine gesegnete, lied- und trostvolle Zeit! Ihr Pfarrer Dietmar Wiegand