19.03.2026
Lätare: Freut euch – tragt Rosa!
Die Gemeindepädagogin Iris Wallat plädiert in ihrem Wort zum Wochenende vom 15.03.2026, für mehr Widerstand im Kleinen.
Freut euch – tragt Rosa!
Ich freue mich auf den kommenden Sonntag! Da werde ich einen Gottesdienst halten und endlich mein neues rosa Tuch tragen! Also meinen schwarzen Anzug wird ein rosa Tuch schmücken – und mein Reden wird nachdenklich tröstend und zuversichtlich fröhlich sein.
So ist der Plan. Doch womit kann ich in diesen Zeiten Trost und Zuversicht wecken? Am kommenden Sonntag ist Halbzeit in der österlichen Fastenzeit und deshalb darf schon einmal die Freude über das Ostergeschehen aufleuchten. Im Gottesdienst werden Worte der Bibel zu Trost und Freude zu hören sein, z B. Gott spricht: Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.
Können diese alten Worte in der heutigen Zeit trösten und ermutigen? Angesichts von Kriegen und deren Folgen für die Menschen weltweit? Welche Worte trösten überhaupt?
Sind nicht schon zu viel Worte gemacht worden und sie erreichen die sogenannten Mächtigen dieser Welt doch nicht? Manchmal denke ich, hätten die Mächtigen dieser Welt eine liebevolle und nährende Kindheit erlebt, sie müssten heute nicht so gierig und gewalttätig sein. Was ist da bloß schiefgelaufen?
Es fehlt wohl an Glauben und Vertrauen – an der Zuversicht, dass das Gute tun und denken sich lohnen. Dass es gemeinsam für alle leichter und sicherer ist. Dass ein fröhliches Herz und ein noch fröhlicherer Mund viel bewirken können.
Weil es immer und immer wieder Menschen geben wird, die ihren Einfluss und ihre Macht missbrauchen, braucht es auch immer wieder Menschen, die sich das nicht gefallen lassen. Doch Widerspruch und Widerstand müssen gelernt und entwickelt werden.
Und da fällt mir auf, dass beginnender Widerstand oft mit äußeren Zeichen einhergeht: die Kerzen der Friedlichen Revolution, die Sonnenblume der Atomkraftgegner, das Peace-Zeichen der Ostermärsche, das Ablegen von Kopftüchern – oder das Anlegen eines rosafarbenen Tuches.
Ja, es sind wohl solche äußeren verbindenden Zeichen des gemeinsamen Widerstands oder der inneren Protesthaltung, die ermutigen und erfreuen. Das äußere Zeichen der Christen ist das Kreuz. Das innere Zeichen ist ihre Haltung in Liebe zu Gott und den Menschen.
Als Jesus aus Nazareth sich auf den Weg ans Kreuz gemacht hat, da gab es unterwegs noch viel zu erledigen. Heilsame Worte zu sprechen. Heilsames zu tun. Und die Frauen und Männer, die bei ihm waren zu ermutigen, ihm auf dem Weg der Liebe zu folgen. Seinen Tod am Kreuz getröstet mitzuerleben und seine Auferstehung zu verstehen. Der Glauben daran weckt die Kraft zum Weitermachen in den wohl untröstlichen und traurigsten Momenten unseres Lebens. Weil wir darauf vertrauen, dass Er, Jesus, diese Momente kennt und in diesen Momenten bei uns ist. Und das wiederum kann uns verwandeln. Zu Menschen, die angesichts der schwierigen und sich stetig wandelnden Bedingungen persönlich und weltweit die Freude am Leben und am gelingenden Miteinander nicht aufgeben.
Den dafür nötigen Blick und mehr Farbe als Rosa ins Leben wünscht ihnen
Gemeindepädagogin Iris Wallat.