19.03.2026
Letzter Sonntag nach Epiphanias: Von Erscheinung und Verklärung

Dr. Arndt Haubold, Pfarrer in Ruhestand schreibt Anfang Februar über Gotteserscheinungen im Alltag.

Von Erscheinung und Verklärung

Nach dem festlichen Dezember ist der Januar für die meisten eine festarme Zeit zum Ausruhen. Nur treue Kirchenbesucher werden weiter mit Festen konfrontiert: Da war das Dreikönigsfest am 6. Januar, das Fest der Taufe Jesu am Sonntag danach und jetzt am „Letzten Sonntag nach Epiphanias“ das Fest der Verklärung Christi. Alles zwar ohne Geschenke, aber doch mit gewichtigen biblischen Inhalten in den Gottesdiensten. Dabei ist schon „Epiphanias“ für viele ein Fremdwort geworden. Das griechische Wort bezeichnet „Erscheinungen“ Gottes in unserer menschlichen Welt. Zu „Epiphanias“ (Dreikönige) erschien der göttliche Stern den Weisen vom Morgenland, und dann erschien ihnen die Herrlichkeit Gottes in dem Kind in der Krippe. Am folgenden Sonntag ein großer Gedankensprung: Vom Kleinkind in der Krippe zum erwachsenen Jesus, der zu Beginn seiner göttlichen Mission auf Erden von Johannes dem Täufer im Jordan getauft wurde. Dabei erschien die Göttlichkeit Jesu in einer Stimme vom Himmel, die ihn zum Gottessohn erklärte. An den beiden folgenden Sonntagen erschien die göttliche Vollmacht Jesu im Weinwunder bei der Hochzeit zu Kana und im Heilungswunder an dem gelähmten Knecht des Hauptmanns von Kapernaum. An diesem Sonntag nun schließt sich zunächst der Kreis von Erscheinungen der göttlichen Macht in der „Verklärung Christi“. Auf einem Berg erschien Jesus dreien seiner Jünger in einem strahlenden Licht. Er wurde in einer Vision flankiert von den großen alten Propheten Mose und Elia, in deren Reihe er aufgenommen, aber zugleich nochmals als „Sohn Gottes“ überhöht wurde. Damit waren nun die Ecksteine für die einzigartige Bedeutung Jesu Christi gesetzt. – Auch eine „Verklärung“ ist aus unserer heutigen Erfahrungswelt weithin verschwunden. Wir sprechen noch von einem verklärten Gesichtsausdruck, wenn jemand voller Entzücken einer Musik lauscht. Oder wir halten eine zu optimistische Sicht auf zweifelhafte Ereignisse für eine verklärte Wahrnehmung. – Was gewinnen wir aus „Erscheinung“ und „Verklärung“? Gott erscheint uns auch heute immer wieder in unserer Alltagserfahrung auf mancherlei geheimnisvolle Weise: in überraschenden Begegnungen, in unerwarteten Wendungen, in neuen Sichtweisen, in berührenden Worten. Wir müssen unsere Sinne und unseren Verstand dafür nur empfangsbereit halten. Und im Glauben an Gottes Kraft können wir unsere Lage tatsächlich verklären: dunkle Schatten über unserem Leben in einem helleren Sicht sehen. Mit einer solchen Betrachtung fällt das Leben oft leichter.

Pfarrer i. R. Dr. Arndt Haubold, Wintersdorf