19.03.2026
Okuli: Pflugspuren Richtung Ostern

Jörg Bachmann, Pfarrer in Ruhestand, schreibt in seiner Zeitungsandacht vom 08.03. über das Dranbleiben in schweren und kräftezehrenden Zeiten.

Pflugspuren in Richtung Ostern

„Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt …“ – dieses alte Volkslied klingt nach Aufbruch. Nach kalter Erde, die endlich wieder offen wird. Nach Arbeit, die nicht nur Mühe ist, sondern Hoffnung: Es lohnt sich, heute zu beginnen.

Gottes Treue und kluger Umgang mit dem rechten Zeitpunkt

Die Bibel gibt diesem Rhythmus einen festen Grund. Gott verspricht nach der Flut: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte … Sommer und Winter, Tag und Nacht“ (Gen 8,22). Wenn der März kommt, ist das mehr als Wetterwechsel. Es ist ein Zeichen: Gott hält die Welt – und damit auch uns.

Das Lied erinnert zugleich an Verantwortung. „Im Herbst will der Faule nicht pflügen; so muss er in der Ernte betteln“ (Spr 20,4). Und: „Wer im Sommer sammelt, der ist klug“ (Spr 10,5). Nicht Leistungsdruck spricht hier, sondern die nüchterne Wahrheit: Manche Dinge kann man nicht nachholen. Der rechte Zeitpunkt ist Gnade.

Loslassen als Weg zum Leben: Jesu Botschaft der Hingabe

Und dann ist da die Passion: Das Evangelium legt den Pflug tiefer. Jesus sagt: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein“ (Joh 12,24). Der Weg zum Leben führt durch das Loslassen. Am Kreuz wird Gottes Liebe „eingesät“ – nicht laut, nicht triumphierend, sondern hingegeben. Darum passt auch das Wort Jesu: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes“ (Lk 9,62). Passion heißt: dranbleiben, auch wenn es schwer wird.

Jörg Bachmann, Pfarrer i.R.