17.06.2026
Pfingsten: Von Jubiläen

In seiner Pfingsansprache schreibt Pfarrer i.R. Arndt Haubold aus Wintersdorf über Meuselwitz und die Geschichte der christlichen Kirche

Von Jubiläen

Vor 100 Jahren wurde das Lutherhaus in Meuselwitz eingeweiht – ebenso die Herzogin-Agnes-Gedächtniskirche in Altenburg. Zwei Gründe zum Feiern! Vor 200 Jahren bezog Herzog Friedrich I. seine neue Residenz in Altenburg – eine Sonderausstellung im Schloss erinnert ab 21. Juni daran. Vor 350 Jahren schon erwarb Veit Ludwig von Seckendorff die Herrschaft Meuselwitz und ließ Schloss und Kirche neu erbauen. Er begründete eine jahrhundertelange Herrschaftsgeschichte in Meuselwitz, die weit über die Stadt hinausstrahlte und noch heute Früchte trägt. Auch davon zeugt eine kleine Sonderausstellung im Heimatmuseum in Meuselwitz und ein Besuch der Nachfahren am 14. Juni im Gottesdienst in Meuselwitz.

Noch viele andere Jubiläen bietet dieses Jahr 2026. Die USA blicken auf 250 Jahre zurück. Der Petersdom in Rom hat schon 400 Jahre auf dem Buckel. 500 Jahre Reformation wird in Hessen gefeiert. Und der Heilige Franziskus verstarb vor 800 Jahren.

Viel, viel älter als alle diese Jubilare aber ist die christliche Kirche. Am Pfingstfest erinnern wir uns jedes Jahr an ihre Gründung. Sie ereignete sich am jüdischen Wochenfest „Schawuot“ im Jahre 30 oder 33 nach Christi Geburt. Die Jünger Jesu waren im Tempel zu Jerusalem zum Gebet beieinander, als plötzlich etwas Ungewöhnliches, ja Verrücktes geschah: Ein Sturmesbrausen fuhr durch das Haus, über den Köpfen der Jünger erschienen Feuerzungen, und sie begannen begeistert von ihrem Glauben an Jesus Christus zu reden – für alle Festbesucher verständlich – auch in fremden Sprachen. Die einen waren darüber entsetzt, andere lachten darüber verständnislos und sahen zuviel Alkohol im Spiel. Es gibt aber ganz realistisch sogenanntes „Zungenreden“, auch wenn es in unserem Umfeld einer religiösen Trockenheit selten ist. In der Wintersdorfer Kirche wie in manchen anderen Gotteshäusern zeigt ein schönes Glasfenster im Altarraum diese Geschichte.

Das gilt als Gründungsakt der Kirche, denn von dem Tag an zogen die Jünger Jesu als Apostel in alle Welt hinaus, verbreiteten den Glauben an Christus, gründeten christliche Gemeinden und später Kirchen und initiierten soziale Hilfen. Wir gehen also bald auf ein 2000-jähriges Gründungsjubiläum der Kirche zu – und die damalige Begeisterung der Jünger sollte auch uns wieder ergreifen!

 

Dr. Arndt Haubold, Pfarrer i. R. in Wintersdorf